
Wer als Fotograf die üblichen Verdächtigen auf der schwarzen Seite des Internet meidet, dem bleiben eigentlich grundsätzlich nur zwei (bis drei) Optionen. Entweder die althergebrachten Foren mit angehängten Galerien – was durchaus etwas für sich hat, allerdings auch nicht ganz so leicht zugänglich und breit gefächert ist. Oder auch Flickr, das bessere Qualität bietet, allerdings völlig kommerziell ist – und eine Datenkrake, nebenbei bemerkt. Dann wäre da noch das sogenannte gute Netz – also im wesentlichen das Fediverse mit seinen diversen Subspezies. Dann gäbe es noch die Möglichkeit, als Lonely Rider unterwegs zu sein mit einem Blog und das über mehr oder weniger geeignete Kanäle in einen größeren Rahmen einzubinden – im Fediverse oder auch bei Bluesky zum Beispiel.
Alles hat seine Vor- und Nachteile. Derzeit halte ich es so wie zuletzt beschrieben: Blog plus Resonanzraum. Bin ich damit zufrieden? Nicht wirklich. Denn es bleibt doch alles irgendwie unpersönlich, unverbindlich. Richtiges Gruppengefühl kommt nicht auf. Passable Reichweitenverlängerung hin oder her.
Was das Fediverse angeht, war ich ganz froh, vor Jahren mit der »Instanz« photog.social einen Raum gefunden zu haben, in dem Themen rund ums Bildermachen mit Kamera und/oder Vergrößerer im Mittelpunkt standen. Es war nicht ganz zu verhindern, dass manche diese Schwerpunktsetzung ignorierten und dort irgendwas gepostet haben – den üblichen Kram halt, der immer wieder zu Konflikten führt. Aber das nahm nie solche Ausmaße an, dass es unerträglich wurde. Es war wie eine stille Übereinkunft: Dieser Server bleibt grenzüberschreitend für fotografische Dinge.
Das ging ein paar Jahre gut so, bis der alte Betreiber das Projekt im August in neue Hände gab. Und von einem Tag auf den anderen war alles anders. Am schlimmsten: Der neue Admin samt seiner Bezugsgruppe meinte, so als erste Amtshandlung zig völlig normale und große und lange etablierte Server blockieren zu müssen – darunter mastodon.social (!) oder sogar auch tchncs.de (!). Dazu noch etliche einzelne Nutzer. Völlig irre. Mal abgesehen von dem Größenwahn, der daraus spricht, haben unheimlich viele Leute auf einen Schlag praktisch alle ihre Kontakte verloren. Sie hatten gar keine andere Wahl als sich woanders niederzulassen.[1]Man kann sich im Fedi darüber recht schnell ins Bild setzen, indem man #photogsocial sucht.
Da ich grundsätzlich auf jegliche Erpressungsversuche oder Bevormundung schwer allergisch reagiere, habe ich natürlich sofort mein Bündel geschnürt und bin gegangen. Das Problem dabei war nur: Außer photog.social gab es und gibt es meines Wissens keine andere fotozentrierte Instanz im Fediverse – und nein, die ein oder zwei, die jetzt gerade manchen auf der Zunge liegen, sind aus verschiedenen Gründen für mich keine Option…
Einen der besten Server bei Mastodon ohne Not atomisiert
Das Desaster um photog.social hat sehr viele gute Leute mit ihrem Kram virtuell heimatlos gemacht. Die haben sich über das ganze Fediverse verstreut. Ist doch gut, könnte man meinen. Jein… Auf anderen Instanzen, den großen zumal, ist das Thema Fotografie nicht so gut und fokussiert repräsentiert. Jedenfalls nicht, wenn man ein gewisses Maß an Anspruch als Messlatte nimmt. Und es konkurriert schon auf dem jeweils eigenen Server mit zig anderen Themen und versendet sich dann vielfach. Hier und da ein billiger Like. Aber echte Interaktion findet kaum statt. Daran ändert die hohe Zahl der Nutzer nichts. Macht es eher schlimmer. Das ist alles nicht schön.
Ich persönlich habe mich entschieden, meine vernachlässigten Blogs wieder mehr zu bespielen und die Beiträge mit geeigneten Plugins ins Fediverse und nach Bluesky zu bringen. Das klappt technisch ganz gut, wenn man bestimmte Dinge beachtet. Es hat aber auch diverse Nachteile, die nicht unbedingt technischer Natur sind.
Aus Sicht eines beliebigen Fediverse-Nutzers sieht das Umbiegen eines externen WordPress-Blogs ins Fedi wie eine Insellösung aus, was es ja genau genommen auch (immer noch) ist. Lesen geht, Liken geht, Kommentieren geht, Folgen geht auch. Es ist also keine Einbahnstraße. Und dennoch. Das scheint manchen unheimlich zu sein. Halbautomatisches Crossposting nach Bluesky funktioniert, hat aber noch kleinere Macken wie nicht »föderierte« Hashtags zum Beispiel. Wenig zielgerichtet ist es sowieso. Genauso wie bei Mastodon & Co.. [2]Nicht ganz unwichtiger TIPP: Damit überhaupt irgendwas per ActivityPub von WP ins Fediverse wandert, MUSS man MINDESTENS EINEN FOLLOWER dort haben. Am besten einen auf mehreren Instanzen. Zur Not … Continue reading
Unterm Strich würde ich sagen, dass der Ansatz, WordPress und etwa Mastodon per ActivityPub/Friends zu verheiraten, der beste ist, der verfügbar ist. Und man ist sein eigener Herr und muss sich nicht von den vielen kleinen Fedi-Paschas abhängig machen. Aber ich bin da trotzdem zwiegespalten und finde, es bleibt irgendwie eine einsame Veranstaltung. Es stellt sich nicht die kuschelige Nähe zu Gleichgesinnten ein wie es sie früher – vor dem LGBTQ+-Putsch – auf photog.social gab. Nicht im Geringsten.
Und jetzt einfach auf großen Instanzen einfach allem zu folgen, was sich Fotograf schimpft, ist keine Option. Erstens handelt man sich da haufenweise Müll in der eigenen Timeline ein. Und selbst wenn das anders wäre, habe ich vielleicht gar keinen Bock auf die Dauerpropaganda oder sonstige Banalitäten, die da jemand pausenlos außerdem noch absondert. Das muss und will ich nicht haben, wenn ich auf ernstzunehmende Fotografie aus bin. Wenn andere das bei mir ebenso wenig goutieren, bin ich damit völlig fein, versteht sich.
Ich folge immer schon lieber Hashtags als bestimmten Leuten
Ich folge immer schon lieber Hashtags statt Personen. Und man glaube mir: Nicht jeder, der auf Film fotografiert und Laborprints anfertigt und mit #filmisnotdead oder #leica oder #hasselblad um sich wirft, ist ein sympathischer Zeitgenosse. Oder auch nur ein anständiger Lichtbildner. Da gibt es es reichlich engstirnige Vollpfosten, die nicht links und nicht rechts schauen. Ist auch keine Frage der Herkunft. Fragt nicht, woher ich das weiß. Ich jedenfalls habe mich auf mastodon.social komplett zurückgezogen. Dorthin war ich zunächst für eine Weile geflüchtet.
Schon gar nicht erreicht man auf großen, generischen Servern im Fedi die Nähe und Konzentrationsdichte, wie es sie in anderen Netzwerken mit echten themenbezogenen Gruppen gibt. Aber da das meiner Erfahrung nach viele der Entscheider im Fediverse nicht zu kapieren scheinen, wird das wohl auch so bleiben – Nischenprojekte mal ausgenommen. Außerdem: Beschreibe doch mal den Entstehungsprozess eines Lithprints samt Toning in 500 Zeichen. Viel Spaß! [3]Hallo, Herr Rochko…
Alles bisher Gesagte stimmt so für die Fotografie, aber natürlich auch für alle meine anderen Themen-Blogs. Insofern bin ich aus mehreren Richtungen direkt betroffen.
Und dann wäre da noch eine Kleinigkeit. Je mehr KI um sich greift und unaufhaltsam alles aushöhlt und unterwandert wie das Ding aus Stranger Things, desto mehr stellt sich die Sinnfrage: Wozu überhaupt noch bloggen? Man exponiert sich mit seinen Sachen – seien es nun Bilder oder Rezepte oder Strickanleitungen – und füttert eigentlich nur irgendwelche Miner von KI-Kraken, die ihre Harvester vorbeischicken, um sich schamlos kostenlos zu bedienen. Ich jedenfalls kann das eindeutig an meinen Logs ablesen.
Und ich weiß nicht, ob ich das so noch (tolerieren) will.
Die einzige echte Alternative, die mir einfällt, ist eine komplett analoge ohne jedes Online- und Internetgedöns. Wer echte Bilder sehen und drüber reden will, muss herkommen. So wie früher.
Nicht die schlechteste Idee, würde ich sagen.
Anmerkungen
| ↑1 | Man kann sich im Fedi darüber recht schnell ins Bild setzen, indem man #photogsocial sucht. |
|---|---|
| ↑2 | Nicht ganz unwichtiger TIPP: Damit überhaupt irgendwas per ActivityPub von WP ins Fediverse wandert, MUSS man MINDESTENS EINEN FOLLOWER dort haben. Am besten einen auf mehreren Instanzen. Zur Not muss man den/die SELBER ANLEGEN. |
| ↑3 | Hallo, Herr Rochko… |

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